Berührung und Senioren

Die heilende Kraft einer Hand: Warum Senioren Berührung mehr denn je brauchen. Mit zunehmendem Alter schrumpft unsere Welt oft und wir fühlen uns isolierter, was zu einem Zustand führen kann, der als „Hautpflege-Hunger“ bekannt ist. Dieser Artikel beleuchtet die wichtige Rolle der Berührung in der Altenpflege – von der Senkung des Blutdrucks und der Linderung chronischer Schmerzen bis hin zur Reduzierung von Unruhe bei Demenzpatienten. Erfahren Sie, warum eine einfache Geste der Zuneigung eines der wirksamsten nicht-medikamentösen Mittel ist, um die Gesundheit und Würde unserer älteren Mitmenschen zu fördern.
Touch And Seniors • Power Of Touch

Berührung und Senioren

Mit zunehmendem Alter verlagert sich der Fokus im Gesundheitsdiskurs oft auf Medikamente, Mobilität und kognitiven Abbau. Ein wesentlicher, aber häufig vernachlässigter Faktor für das Wohlbefinden älterer Menschen ist jedoch die Kraft der Berührung. Für Senioren ist Berührung oft die letzte Verbindung zur Außenwelt, wenn andere Sinne wie Hören oder Sehen nachlassen. In einer Altersgruppe, die zunehmend von Isolation bedroht ist, ist die Pflege von Körperkontakt nicht nur ein Trost, sondern eine medizinische Notwendigkeit.

Der „Hauthunger“ der älteren Generation

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In der Geriatrie gibt es einen eindringlichen Begriff, der den Mangel an Körperkontakt beschreibt: Hauthunger. Mit zunehmendem Alter verkleinert sich oft der soziale Kreis durch den Verlust von Partnern, Freunden und Geschwistern. Gleichzeitig verändert sich die Art der zwischenmenschlichen Beziehungen. Viele Senioren erleben, dass sie nur noch von medizinischem Fachpersonal mit Latexhandschuhen berührt werden. Dieser Übergang von liebevoller, persönlicher Berührung zu klinischer, funktionaler Berührung kann ein tiefes Gefühl der sensorischen Deprivation hervorrufen.

Die psychologischen Folgen von Berührungsmangel bei Senioren hängen mit einem höheren Depressionsrisiko und einem Gefühl der „Unsichtbarkeit“ zusammen. Wenn Menschen keine Berührung mehr erfahren, haben sie oft das Gefühl, ihren Platz im sozialen Gefüge verloren zu haben. Die Wiedereinführung von nicht-medizinischer Berührung – wie Händchenhalten während eines Gesprächs oder eine sanfte Umarmung – kann das Würdegefühl und das Selbstwertgefühl älterer Menschen unmittelbar stärken.

Der physiologische Schutzschild: Immunität und Schmerzmanagement

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Die Vorteile von Berührung für Senioren reichen weit über das emotionale Wohlbefinden hinaus; die physiologischen Auswirkungen sind messbar und bedeutend. Forschungen in der Psychoneuroimmunologie zeigen, dass positive taktile Stimulation das Immunsystem stärken kann. Für einen alternden Körper, der naturgemäß anfälliger für Krankheiten wird, ist diese hormonelle Stärkung ein wichtiger Schutzmechanismus.

  • Blutdruck und Herzgesundheit: Sanfte Berührung aktiviert Druckrezeptoren unter der Haut, die Signale an den Vagusnerv senden. Diese Stimulation trägt zur Senkung von Blutdruck und Herzfrequenz bei und reduziert so die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems.
  • Schmerzlinderung: Die „Gate-Control-Theorie“ des Schmerzes besagt, dass taktile Reize die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn beeinflussen können. Für Senioren mit chronischen Erkrankungen wie Arthritis können regelmäßige Massagen oder auch einfaches Händchenhalten eine natürliche, nicht-medikamentöse Ergänzung zur Schmerzbehandlung darstellen.
  • Cortisolregulation: Mit zunehmendem Alter steigt oft die Angst vor Gesundheit und Tod. Berührung senkt effektiv den Cortisolspiegel und versetzt den Körper in einen entspannten Zustand anstatt in einen Kampf-oder-Flucht-Zustand. Dies fördert besseren Schlaf und eine gesunde Verdauung.

Berührung als Hilfsmittel in der Demenz- und Alzheimer-Pflege

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Eine der bemerkenswertesten Anwendungen von Berührung liegt in der Pflege von Menschen mit Demenz oder Alzheimer. Während kognitive Fähigkeiten und verbale Kommunikationsfähigkeit nachlassen, bleibt die „Sprache der Haut“ erhalten.

Für Menschen, die von ihrer Umgebung desorientiert sind oder Gesichter nicht erkennen können, kann eine feste, warme Hand auf der Schulter unmittelbar ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln. Studien haben gezeigt, dass „ausdrucksvolle Berührung“ die Unruhe, das Hin- und Herlaufen und die verbale Aggression, die häufig mit fortgeschrittener Demenz einhergehen, reduzieren kann. Sie vermittelt nonverbal das Signal, dass die Umgebung sicher ist und die betroffene Person nicht allein ist. In vielen Fällen kann eine einfache Berührung mehr bewirken als eine Stunde gesprochener Beruhigung.

Überwindung der Hindernisse für physische Verbindung

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Trotz der offensichtlichen Vorteile gibt es mehrere Hindernisse, die ältere Menschen daran hindern, die benötigte Berührung zu erfahren. Dazu gehören gesellschaftliche Tabus in Bezug auf das Altern und den Körper, die in manchen Pflegeeinrichtungen übliche „Berührungsverweigerung“ und die räumliche Distanz zu Familienmitgliedern. Um dem entgegenzuwirken, müssen wir gezielt vorgehen:

  1. Bewusste Pflege: Familienmitglieder und Pflegepersonen sollten dazu ermutigt werden, Berührungen in den Alltag zu integrieren – beispielsweise die Hände eines Elternteils einzucremen, ihm die Haare zu bürsten oder einfach so nah beieinander zu sitzen, dass sich die Schultern berühren.
  2. Therapeutische Berührung: Programme mit Massagetherapie, „Kuscheltherapie“ oder sogar Maniküre können Senioren strukturierte Möglichkeiten bieten, positive Berührung zu erleben.
  3. Tiertherapie: Für Senioren, die möglicherweise zögern, menschlichen Kontakt aufzunehmen, oder die allein leben, kann das taktile Erlebnis des Streichelns eines Hundes oder einer Katze ähnliche neurochemische Vorteile bieten, die Einsamkeit verringern und Stress abbauen.

Abschluss

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In den letzten Lebensabschnitten ist das Bedürfnis nach menschlicher Nähe vielleicht dringender denn je. Berührung erinnert uns eindrücklich daran, dass wir noch da sind, dass wir noch immer wertvoll sind und weiterhin zur Menschheit gehören. Indem wir taktilen Kontakt für Senioren priorisieren, verbessern wir nicht nur ihre Stimmung, sondern stärken auch ihr Immunsystem, lindern ihre Schmerzen und respektieren ihre Menschlichkeit. Es ist an der Zeit, Berührung nicht als optionalen Luxus der Jugend zu betrachten, sondern als ein grundlegendes Recht älterer Menschen.

Nadine ist professionelle Webdesignerin, begeisterte Luftfahrt-Enthusiastin und Gründerin von Power of Touch. Als Expertin aus eigener Erfahrung verbindet sie technisches Know-how mit authentischen Einsichten, um die Kluft zwischen klinischem Wissen und menschlicher Verbundenheit zu überbrücken und einen geschützten Raum für Wachstum und Resilienz zu schaffen.

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